Chronologie 1973-2025

Das Freizeitzentrum Schönberg wurde ursprünglich als innovatives und modernes Projekt konzipiert. Es galt damals als Vorzeigeprojekt der Region, das mit seiner modernen Ausstattung und architektonischen Gestaltung neue Maßstäbe setzte. Doch von dieser ursprünglichen Vision ist heute kaum noch etwas zu erkennen. Seit dem verheerenden Hochwasser im Jahr 2002 wurde das Bad immer nur notdürftig renoviert, ohne umfassende Sanierungsmaßnahmen durchzuführen.

Nicht nur das Schwimmbecken, sondern auch das gesamte Gelände, der Eingangsbereich, die Sanitäranlagen als auch die Imbiss-Stube sind inzwischen in einem desolaten Zustand und dringend renovierungsbedürftig. Die ursprünglich innovativen Ideen wurden nicht weitergeführt, und das Bad verfiel nach und nach. Fehlende Transparenz, unentschlossene Entscheidungen und eine unzureichende Einbindung der Bevölkerung haben den Sanierungsprozess über Jahre hinweg behindert.

Heute steht das Freizeitzentrum als Schatten seiner ursprünglichen Vision da. Es ist nun an der Zeit, nicht nur eine kurzfristige Lösung zu finden, sondern das Freizeitzentrum wieder zu dem innovativen und einladenden Ort für alle Bürger:innen und Tourismus zu machen, der es einst war.

Eine Chronologie der Versäumnisse und Chancen

1972/73 Eröffnung des neuen Freibades Schönberg.

  • Das Freibad gilt als modern und innovativ: Aluminiumbecken, großzügiges Freigelände mit Buffet, Spielbereich und Liegewiesen.
  • In den Folgejahren entwickelt sich das Bad zu einem wichtigen Treffpunkt der Gemeinde und zu einem beliebten Freizeitangebot für Einheimische und Gäste.

Bäderjournal 1973
In Schönberg am Kamp wurde eines der modernsten Erholungszentren des Landes mit einem herrlichen Bad Im Mittelpunkt eröffnet.
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2002 Hochwasserereignis und Beginn des Verfalls.

  • Das Hochwasser unterspült das Aluminiumbecken. Eisenhaltiger Schlamm des Kampwassers führt zu Korrosion.
  • Notwendige Sanierungsmaßnahmen (z. B. Säuberung des Sandbodens) werden nicht umgesetzt; Fördermittel aus dem Katastrophenfonds weder beantragt noch abgerufen.

2002–2020 Langsamer Verfall der Anlage.

  • Technische Anlagen werden teils erneuert, das Becken jährlich notdürftig instand gesetzt.
  • Laut Gutachten der Fa. Sikora erfolgte in diesen Jahren keine fachgerechte Sanierung; Korrosionsschutz mangelhaft.
  • Keine umfassenden Investitionen oder Instandhaltungsmaßnahmen beschlossen.
  • Auch andere kommunale Einrichtungen zeigen Sanierungsbedarf.

2020–2023 Erste Überlegungen zu Sanierung oder Neubau

  • Offizielle Anerkennung der Sanierungsbedürftigkeit.
  • Architekt Peter Pelikan erstellt einen Entwurf für eine naturnahe Neugestaltung (Naturbecken, Stege, Uferplätze).
  • Der Entwurf wird nicht honoriert und auch nicht kommuniziert, fließt jedoch in spätere Unterlagen ein.
  • Angebot für Neubau eines Edelstahlbecken wird eingeholt (Kosten: mehrere Millionen Euro, genaue Summe wird immer unterschiedlich angegeben und verändert sich durch Teuerung).
  • Bildung der Bürgerinitiative „Flamingos“, die sich für Erhalt und „sanfte“, also schrittweise Sanierung des Freibads einsetzt.

2024 mangelhafte Kommunikation und politische Umbrüche.

  • Die Pacht des Badbuffets wird neu ausgeschrieben
  • Die Eintrittspreise für das Freizeitzentrum werden angehoben (letzte Anpassung 2016).
    und der Pachtvertrag für das Badbuffet wird auf drei Jahre neu vergeben.
  • Ein Gutachten zur Ursache der Korrosion des Beckens wird bei FA Sikora in Auftrag gegeben, in diesem wird festgestellt, dass eine umfassende und vor allem „fachgerechte“ Sanierung des Beckens nötig ist.
  • Der Bürgermeister Michael Strommer veröffentlicht einen Bürgermeisterbrief, in dem er eine vereinfachte Version des Pelikan-Entwurfs als eigenen Vorschlag darstellt (ohne Nennung der Urheberschaft). Wesentliche Elemente wie Naturbecken und Ufergestaltung entfallen jedoch in seinem Plan.
  • Gutachten Fa. Sikora wird als Begründung für einen Abbruch verwendet; auf Nachfrage erklärt Sikora, dass eine Sanierung ebenso möglich wäre (Ergänzungsschreiben: Varianten A = Sanierung, B = Erneuerung).

2024 erneutes Hochwasser und Rücktritt Bürgermeister Michael Stommer

  • Vor der geplanten Gemeinderatssitzung bei der über den Abbruch abgestimmt werden soll kommt es zu einer Demonstration vor dem Gemeindeamt.
  • Zu Beginn dieser Sitzung tritt der amtierende Bürgermeister Michael Strommer (ÖVP) zurück und zieht sich aus der Öffentlichkeit zurück. Vertagung der Sitzung durch Vorsitzenden J. Hager.
  • Der Gemeinderat fasst keinen Beschluss über den Abbruch.
  • In den Tagen nach dem Rücktritt von Bürgermeister Strommer gibt es erneutes Hochwasser am Kamp.
  • Schutzmaßnahmen im Bereich Freizeitzentrum sind unzureichend; dadurch entstehen erneut Schäden an Technikraum und Infrastruktur. (Zu wenige Sandsäcke zum Schutz der Anlage. Wasser im Becken wurde abgelassen und Tür des Technikraums ausgehängt.)
  • Wahl von Alois Naber (ÖVP) zum Bürgermeister (einstimmig). Neuer Bürgermeister Naber kündigt bessere Zusammenarbeit im Gemeinderat an.
  • Im Nachtragsvoranschlag wird für Instandsetzung des Buffet: € 16.000,– beschlossen.
  • Bürgerinitiative Flamingos übergibt dem neuen Bürgermeister ein Sanierungskonzept mit Varianten zur schrittweisen Sanierung und bietet ehrenamtliche Unterstützung an, wird jedoch weiterhin nicht eingebunden.
  • GR-Sitzung: Dringlichkeitsantrag der Grünen zur Offenlegung der Hochwasser Schadensmeldungen für das Freizeitzentrum und für einen professionellen Beteiligungsprozess. Ziel: Transparenz, Einbindung der Bevölkerung, nachhaltige Sanierungsstrategie. Antrag mit 14 : 3 Stimmen (gegen Grüne) abgelehnt.
  • Voranschlag 2025: Für das Freizeitzentrum werden lediglich € 5.000,– budgetiert.

2025 Beschluss keine Investitionen mehr in das bestehende Becken

  • GR-Sitzung – Dringlichkeitsantrag der Liste Naber (ÖVP). Thema: weiteres Vorgehen zum Freibad. Darstellung: „Zahlen und Fakten liegen endgültig seit 03.03.2025 schlüssig vor“ Förderungen seien nicht möglich; Sanierung entspräche finanziell einem Neubau; Standort müsse hochwassersicher verlegt werden.
    Antrag: Keine Investitionen in bestehendes Becken oder Technik.
    Beschluss: mehrheitlich angenommen (Gegenstimmen: FPÖ und Grüne).

Einleitung eines Beteiligungsprozesses

  • Anfrage für Beteiligungsprozess an drei Büros (nonconform, PlanSinn, DenkMalNeo) zur Durchführung eines partizipativen Planungsprozesses.
  • Bildung einer Arbeitsgruppe „Bad“. Vorsitz: GR Wolfgang Riedlmayer (ÖVP)
    Mitglieder: GRin Christina Karner (SPÖ), GR Gerhard Wölfl (FPÖ), GR Hubert Schroll (Grüne).
  • In der 1. Sitzung der Arbeitsgruppe Diskussion über eingelangte Angebote. Zwei Angebote von DenkMalNeo, eines von nonconform (PlanSinn legte kein Angebot). Keine Beschlussfassung, da Anfrageunterlagen nicht vollständig vorlagen.
  • In der GR-Sitzung werden die Angebote zur Abstimmung gebracht:
    nonconform ideenwerkstatt GmbH: € 29.940,– inkl. MwSt.
    DenkMalNeo Werkstatt guten Bauens GmbH: € 22.500,– inkl. MwSt.
    Plan Sinn hat kein Angebot vorgelegt.
    Einwand der Grünen: unvollständige Information der Arbeitsgruppe, fehlende Unterlagen und mangelnde Vergleichbarkeit. Grüne weisen auf bessere Referenzen von nonconform und geringe Preisdifferenz (nach Förderung ca. € 3.000) hin. Grüne kritisieren auch parallele Förderantragstellung durch DenkMalNeo („Flächenrecycling KPC“) ohne Abstimmung und intransparente Vorgangsweise
  • Gemeinderat beschließt Vergabe an DenkMalNeo
  • Förderzusage durch LEADER für den partizipativen Prozess über ca. 60 %.
  • DenkMalNeo Kick-off-Veranstaltung am 7. August 2025 überfüllt; großes Interesse der Bevölkerung.
  • Drei Workshops („Runde Tische“) und vier offene Beteiligungstage im August.
  • Bürgermeister nimmt selbst an vielen Terminen teil.
  • Parallel dazu finden unangekündigte Räumungs- und Abbrucharbeiten am Gelände statt: Räumung Technikraum, Abtragung der Solaranlage auf dem Buffetsdach, Entfernung von Spielgeräten und Einrichtungsteilen.
    Begründung: „Gefahr in Verzug“ – jedoch keine Informationstafeln oder Absperrungen.
  • Die Leiterin des Beteiligungsprozesses kritisiert die Arbeiten als vertrauensschädigend für den laufenden Dialog.

Herbst 2025 Abschlussveranstaltung des Beteiligungsprozesses.

  • Präsentation ohne konkrete Auswertung der Workshops.
  • Keine Vorstellung von Ergebnissen, Anregungen oder Konzepten.
  • Veranstaltung endet nach rund einer Stunde mit Buhrufen; keine Diskussion oder Fragerunde zugelassen.
  • Die Gemeinde kündigte an, eine Interessensgruppe aus der Bevölkerung einzurichten.

11. Dezember 2025 – Abrissbeschluss

Noch bevor diese „Interessensgruppe“ überhaupt zusammentrat, schuf die ÖVP-Mehrheit mit Zustimmung der SPÖ endgültig Tatsachen. In der Gemeinderatssitzung vom 11.12.2025 wurde – entgegen den Stimmen der Grünen und FPÖ – die Auftragsvergabe zum Abriss des Schwimmbeckens und wesentlicher Teile der Freizeit-Anlage formell beschlossen.

Zusammenfassung der Entwicklung

  • Das Freibad Schönberg war über Jahrzehnte identitätsstiftend für die Gemeinde.
  • Nach Hochwasserschäden 2002 fehlten langfristige Sanierungen und Fördermittel.
  • 2020–2024 führte der bauliche Verfall zu politischen Spannungen und Bürgermeisterwechseln.
  • Die Bürgerinitiative „Flamingos“ setzte sich für Erhalt und Beteiligung ein.
  • 2025 startete schließlich ein partizipativer Planungsprozess unter Einbindung der Bevölkerung.
  • Parallel laufende Abbruchmaßnahmen und mangelnde Transparenz belasten jedoch Vertrauen und Zusammenarbeit.
  • Partizipativer Planungsprozess bringt keine Ergebnisse
  • 11. Dezember 2025 – Abrissbeschluss (ÖVP und SPÖ)