Auch die Grünen Schönberg am Kamp haben das neue ÖEK intensiv unter die Lupe genommen und konstruktive Beiträge eingebracht. Unsere Ortsgruppe ist seit Jahren aktiv in Fragen der Ortsentwicklung und Nachhaltigkeit – dieses Know-how haben wir nun in den Begutachtungsprozess einfließen lassen.
Konkret haben die Grünen eine schriftliche Stellungnahme zum ersten Entwurf abgegeben.
Eine weitere Stellungnahme der Grünen zur aktuellen Auflage wird noch abgegeben – Download folgt
Unsere Stellungnahme umfassen folgende Themen
- Klimawandel, Wasserhaushalt und Naturschutz
- Nachhaltige Mobilität und Verkehr
- Jugend, Familien und Lebensqualität
- Soziale Infrastruktur und Daseinsvorsorge
- Leistbares Wohnen, Haupt- und Nebenwohnsitze
- Bürger*innenbeteiligung und Transparenz
- Nachhaltige Wirtschaft und regionale Wertschöpfung
- Tourismus und Naherholung
- Kultur und Gemeindeleben
Die Grünen haben also in mehreren Bereichen inhaltlichen Input geliefert – immer mit dem Ziel, das ÖEK zukunftsfähiger, nachhaltiger und bürgernäher zu gestalten.
Welche Änderungen am ÖEK sind durch Grünen-Input bereits eingeflossen?
Erfreulicherweise wurden einige Grünen-Anliegen schon im aktuellen Entwurf berücksichtigt – ein Erfolg des grünen Engagements im Vorfeld und während der Planerstellung. Hier einige Beispiele, die dank unseres Inputs im ÖEK 2025 stehen:
- Naturschutz und Landschaft: Das Konzept enthält nun klare Aussagen zum Erhalt der Naturjuwele in Schönberg. So sind Landschaftsschutzgebiete, Natura-2000-Zonen, Wasserschutzgebiete und der Naturpark explizit ausgewiesen. Diese Festlegungen entsprechen den Forderungen der Grünen, sensiblen Lebensräumen höchste Priorität zu geben. Zudem betont das ÖEK die Bewahrung der Kulturlandschaft – unsere Weinberge, Wälder und Trockenrasen als prägenden Teil der Gemeindeidentität zu erhalten. Das ist ein wichtiger Erfolg für den Naturschutz vor Ort.
- Ressource Kamp & Gewässerschutz: Auf Drängen der Grünen wird der Kamp in seiner Doppelrolle berücksichtigt – als ökologische Lebensader und als Naherholungsgebiet. Das Konzept sieht einen umfassenden Schutz und Pflege der Gewässer vor. Konkret sind die Uferbereiche entlang des Kamp als eigene Zonen definiert, in denen behutsam geplant werden muss.
- Hochwasserschutz: Hier konnte grüner Input besonders viel bewirken. Der neue Entwurf enthält ein klares Bekenntnis: Keine neuen Baulandwidmungen in Überflutungsbereichen. Diese strikte Maßnahme haben wir gefordert – sie schützt Menschen und Eigentum vor zukünftigen Flutkatastrophen. Zudem stellt das ÖEK nun fest, dass es bereits Gefahrenzonen entlang des Kamp und der Bäche gibt, die zu beachten sind.
- Konzept zum Ausbau von Tempo 30-Zonen soll erarbeitet und für die Umsetzung vorbereitet werden.
Diese Beispiele zeigen: Beteiligung wirkt! Was die Grünen Schönberg im Diskussionsprozess vorgeschlagen haben. Natürlich ist so ein Konzept immer ein Kompromiss und nicht alles konnte eins zu eins übernommen werden. Aber viele Grün-Kernelemente sind drin, und darauf können wir gemeinsam aufbauen.
Wo gibt es noch Schwächen und Lücken
Trotz aller Verbesserungen sehen wir Grünen im vorliegenden Entwurf noch einige Schwachstellen und offene Punkte. Diese sollten in der weiteren Diskussion und Umsetzung nicht vergessen werden:
- Fehlende Verbindlichkeit mancher Maßnahmen: Das ÖEK formuliert viele Ziele und Absichten – doch wie diese umgesetzt werden, bleibt oft offen. Aus grüner Sicht müsste es einen konkreten Umsetzungsfahrplan geben: Welche Projekte werden bis wann angegangen? Welche Ressourcen (Budget, Personal) braucht es dafür? Ohne Prioritäten besteht die Gefahr, dass das Konzept ein Papiertiger bleibt. Hier wünschen wir uns einen klaren Maßnahmenkatalog im Anschluss: z.B. 2026: Radweg X planen, 2027: Umsetzung; 2028: Bisher fehlen solche Zeitpläne.
- Mobilität weiterhin autoorientiert: Zwar erkennt das ÖEK die Bedeutung von Bahn und Bus und erwähnt den Ausbau von Rad- und Fußwegen. Aber aus grüner Sicht ist das noch zu zaghaft. Die Realität ist, dass der motorisierte Individualverkehr immer noch dominiert. Konkrete Maßnahmen, um den Umstieg attraktiver zu machen, fehlen. Beispielsweise könnte man im Konzept verankern, dass es mittelfristig autofreie Zonen (Wohnstraßen…) in den Ortszentren geben soll oder dass die Gemeinde Carsharing-Angebote initiiert. Auch ein ausgebauter öffentlicher Nahverkehr (z.B. Ruftaxis oder Mikro-ÖV zwischen den Katastralgemeinden) sollte stärker betont werden. Hier bleibt das ÖEK etwas unkonkret – die Vision einer echten Verkehrswende könnte mutiger sein.
- Deutliche Verbesserung der Fußweg- und Radinfrastruktur, beginnend von Gehsteigen, Schutzwegen, Radwegen bis überdachte Radabstellplätze z.B. bei den öffentlichen Bahn- und Bus Haltestellen.
- Hinsichtlich der Verkehrsbelastung auf der B34, hier eine Bemühung und Reduktion des LKW- Verkehrs, fehlen Bemühungen und Strategien. Dieses Thema betrifft nicht Schönberg alleine, hier sollten Ziele für eine gemeinsame Vorgangsweise mit den Nachbargemeinden Langenlois und Gars angeführt werden.
- Leistbares Wohnen und Leerstand: Das ÖEK setzt auf Innenentwicklung und aktiviert bestehendes Bauland, was wir unterstützen. Doch es sagt wenig darüber aus, wie ungenutztes Bauland mobilisiert werden kann. Aus grüner Sicht fehlt eine Strategie für leistbares Wohnen. Viele junge Leute oder Familien finden nur schwer leistbare Häuser oder Wohnungen in der Region. Hier sehen wir eine Lücke: Die soziale Dimension des Wohnens sollte stärker bedacht werden, damit Schönberg nicht abwandert oder nur für Wohlhabende attraktiv ist.
- Bemühungen, derzeitige Nebenwohnsitz-Schönberger:innen zu bewegen den Hauptwohnsitz in Schönberg einzurichten, sind bislang nicht erkennbar. Natürlich braucht es auch entsprechende Attraktivität und Angebote dazu.
- Freizeitzentrum und Gemeindebetriebe: Das Konzept spricht allgemein von Freizeitangeboten, bleibt aber beim Thema Freibad/Freizeitzentrum unbestimmt.
- Ambition bei Klimaschutz: Obwohl Klima und Energie als eigenes Kapitel enthalten sind, könnten die Ziele ambitionierter sein. Beispielsweise nennt das ÖEK keine Klimaneutralität bis zu einem bestimmten Jahr, auch Indikatoren fehlen (etwa Reduktion CO2-Ausstoß der Gemeinde um X % bis 2030). Es gibt gute Absichten – Gebäudebegrünung, Solarenergie auf Dächer, etc. – doch vieles wird als Empfehlung formuliert, nicht als Pflicht. Aus unserer grünen Sicht muss angesichts der Klimakrise mutiger vorgegangen werden. Warum nicht im ÖEK verankern, dass Schönberg eine „Klimamuster-Region“ sein will, Hier bleibt das Konzept hinter seinen Möglichkeiten zurück. Wir werden uns dafür einsetzen, dass in der Umsetzung dann stärker aufs Tempo gedrückt wird.
Zusammengefasst sehen wir Grünen also Verbesserungspotenzial in der Verbindlichkeit, beim sozialen und ökologischen Mut sowie in der Art, wie Planungen entstehen. Diese Punkte sollen keine grundsätzliche Kritik am ÖEK 2025 sein – das Konzept ist eine gute Grundlage. Die genannten Leerstellen wollen wir weiterhin thematisieren, damit sie in den nächsten Schritten (Umsetzung, Folgemaßnahmen, Gemeinderatsbeschlüsse) geschlossen werden.
Positive Entwicklungen durch das neue ÖEK
Trotz aller Detailfragen überwiegen aus unserer Sicht klar die positiven Chancen, die das ÖEK Schönberg 2025 bietet. Wenn wir dieses Konzept gemeinsam umsetzen, kann es eine Vielzahl an guten Entwicklungen anstoßen:
- Mehr Lebensqualität: Das ÖEK zielt darauf ab, Schönberg am Kamp für alle Generationen lebenswert zu halten und noch attraktiver zu machen. Die geplanten Grün- und Freizeiträume, die Stärkung von Kultur und die Berücksichtigung der demografischen Entwicklung (Alterung, aber auch Zuzug von Familien) sorgen dafür, dass sich jeder in unserer Gemeinde wohlfühlen kann. Ein altersgerechtes Kultur- und Freizeitangebot sowie gestaltete öffentliche Räume kommen Jung und Alt zugute.
- Umwelt- und Klimaschutz mit lokalem Nutzen: Durch die im ÖEK verankerten Maßnahmen können wir aktiv zum Klimaschutz beitragen und direkt vor Ort profitieren. Zum Beispiel wird das Fördern erneuerbarer Energien und Verabschieden von fossilen Brennstoffen die Luftqualität verbessern und uns unabhängiger machen.
- Nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung: Indem das ÖEK unsere Ortskerne stärkt und Leerstände mobilisieren will, können lokale Betriebe und Nahversorger belebt werden.
- Verkehrssicherheit und moderne Mobilität: Durch die Umsetzung der Verkehrskonzepte könnten unsere Orte sicherer und ruhiger werden. Neue Gehsteige, Radwege und Begegnungszonen bedeuten weniger Unfälle und mehr Lebensqualität entlang der Straßen. Gleichzeitig eröffnet ein intelligenter, kleinräumiger Öffentlicher Verkehr (z.B. Rufbusse) allen, die kein Auto haben, Mobilität und Teilhabe – vom Schulkind bis zur Seniorin. Das ÖEK gibt hier eine Richtung vor, etwa mit dem Ansatz eines bedarfsorientierten Mikro-ÖV. Wenn das Realität wird, kommen wir dem Ziel einer klimafreundlichen Mobilität näher, entlasten die Umwelt und stärken den sozialen Zusammenhalt (weil Mobilität auch Begegnung heißt).
- Gemeinsam lernen und gestalten: Last but not least kann das ÖEK auch eine neue Beteiligungskultur auslösen. Die aktuelle Auflage ist ein erster Schritt – Bürgerinitiativen, Diskussionsrunden und Engagement werden ernst genommen. Wenn wir sehen, dass unsere Stellungnahmen etwas bewirken, wird das Vertrauen in die Gemeinde wachsen. Vielleicht entstehen sogar neue Projekte durch Bürgerideen.
Zum Abschluss möchten wir Sie motivieren, informiert und aktiv zu bleiben. Das ÖEK ist nicht das Ende, sondern der Anfang eines neuen Kapitels der Ortsentwicklung. Jede und jeder kann dazu beitragen, dieses Kapitel erfolgreich zu schreiben – sei es durch Ideen, durch Kritik oder indem man einfach das Gespräch mit Nachbarn und Gemeinderäten sucht.
